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Standards sind spätestens seit den 90ern ein entscheidender Faktor in der Wirtschaft und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Standards gibt es schon lange in der Industrie. Zu Zeiten der Römer waren zum Beispiel die Breiten von Ochsenkarren festgelegt. Später im 19. Jahrhundert hat man den Abstand von den zwei Gleisen der Eisenbahnen standardisiert, damit alle Züge auf allen Schienennetzen fahren können. Solche Standards sind offene Standards. D.h. die Abstände der beiden Gleise sind öffentlich bekannt. Daher kann jeder eine Lok entwickeln, produzieren und verkaufen. Wäre der Standard nicht offen, wäre der Abstand nicht bekannt und nicht jeder könnte eine Lok bauen, die auf dem Standard-Schienennetz fahren kann. In diesem Fall kann der Standard nur offen sein, weil jeder an den Schienen den Abstand nachmessen kann. Manchmal gibt es mehrere Standards parallel, die konkurrieren: Standard Wars. Die Natur bei diesem Wettbewerb ist, dass die Starken stärker werden, und die Schwachen schwächer. D.h. nutzt die Mehrheit einen Standard, bekommt er auch überproportionalen Zulauf. Im Falle von einem Eisenbahnstandard bedeutet das, dass mehr Loks für den verbreiteteren Standard hergestellt werden. Da es für den verbreiteteren Standard eine größere Auswahl an Loks gibt, werden bei Neubaustrecken Schienen nach dem verbreiteren Standard gebaut. Das System macht sehr viel Sinn bei der Infrastruktur. Man braucht keine zwei Schienennetze mit unterschiedlichen Standards, die parallel verlaufen. Man spricht auch von Märkten mit Netzwerkeffekt. Aufgrund der Gesetze dieses Marktes, ist es wichtig, möglichst frühzeitig seinen Standards zu verbreiten, um den Standard dauerhaft durchsetzen. Nahezu automatisch erreicht man dann eine Monopolstellung. Seit dem es Software gibt, gewinnen Standards an Bedeutung: Microsoft hatte mit DOS frühzeitig einen hohen Marktanteil und legte damit für den späteren Erfolg von Windows. Microsoft erlangte Monopolstellung. Schließlich griffen weltweit die Kartellämter eingreifen, um den Marktmissbrauch durch Microsoft zu im Browser- und Mediaplayergeschäft einzudämmen. Der Softwaremarkt ist schnelllebig und die Kartellbehörden reagierten langsam. Derzeit gibt es keine speziellen Gesetze und Regelungen für Märkte mit starken Netzwerkeffekten. Gesetze greifen erst, wenn der Machtmissbrauch durch ein resultiertes Monopol besteht. Da Märkte mit Netzwerkeffekten nahezu automatisch zu Monopolen (Windows, Google-Suchmaschine, …) führen, macht eine Regulierung dieser Sinn. Sie können frühzeitih Monopole verhindern. Gesetze sind notwendig, um einen funktionierenden Markt aufrecht zu halten. Da auf solchen Märkten nur der größte Überleben kann, ist der Wettbewerb in solchen Märkten extrem aggressiv. Eine gängige Strategie ist es, erst günstig Kunden anzulocken, um den Kunden schrittweise in eine Abhängigkeit zu führen, so dass er den Kunden nicht mehr zur Konkurrenz wechseln kann. Apple mit dem iPod ist ein gutes Beispiel hierfür. Apple versuchte jegliche andere Formate und Fremdprogramme zu unterbinden, um den Kunden an den iTunes Store und langfristig an den iPod zu binden. Besitzer der Netzwerk bzw. des Standards haben über diese absolute Verfügungsgewalt. Sie können den Marktzugang innerhalb des Netzwerkes vollkommen kontrollieren. Das ist vor allem dann extrem bedenklich, wenn die Besitzer der Netze/Standards selbst innerhalb des Netzes als Marktteilnehmer auftreten. Die Netzbesitzer können, je nach dem wie offen der Standard ist, frei entscheiden, welcher Wettbewerber auf dem Markt teilnehmen darf. Im Bild der Eisenbahn zu bleiben, hieße das: Der Besitzer des Standards kann verbieten, dass die Loks eines Herrstellers auf den Gleisen fahren. Das würde dann für alle Eisenbahngesellschaften gelten, die auf Gleisen mit diesem Standard fahren. Realität ist dies bei Apple mit den Apps. Apple verbietet zum Beispiel das Wort “Android” in Apps. Ich plädiere daher für Gesetze, die den Umgang mit Märkten mit Netzwerkeffekt regeln. Eine sinnvolle und nicht überregulierte Gesetzgebung hierfür zu erarbeiten, ist jedoch ein Drahtseilakt. Hier ein Eckpunkte dazu:
Da die Diskussion über Parteispenden ihren Lauf nimmt, aber praktisch keine Fakten nennt, sondern nur auf Mutmaßungen beruht hier ein paar Fakten. Bereits gestern habe ich den Nutzen der Mehrwertsteuersenkung für die Familie Finck abgeschätzt. Er liegt bei etwa 0,05% des Familienvermögens und ist in der Größenordnung der Spenden. Hier nun die Fakten zu einigen Behauptungen, die man in Kommentaren, Foren und auch Artikeln findet:
Die Story passt perfekt: Der Milliarden schwere Sugardaddy von Finck holt sich für knapp 2 Mio. Euro die Parteien FDP und CSU ins Bett und sichert so rund eine Milliarden Euro für das Hotelgewerbe. Der Spiegel enthüllt den Skandal der käuflichen Politik! Dort die kapitalistische Klientelpartei, auf der anderen der in der Schweiz lebende, adlige Großkapitalist. Die Sachelage ist eindeutig! Eine Milliarde sind das 500-fache von 2 Mio und ein Graoßkapitalist wird seinen Reibach machen. 90% der Bevölkerung (nicht repräsentativ) halten bereits die FDP für käuflich. Das Bild ist perfekt! Nur eine Kleinigkeit machte mich stutzig. Zur Mövenpick Gruppe gehören in Deutschland 14 Hotels. Ich fragte mich, wieviel mögen denn diese 14 Hotels an abgeführter Mehrwertsteuer sparen? Um Meldungen einzuschätzen, hilft es sich immer die Sachlage anzuschauen. Lasst uns gemeinsam dies abschätzen: 1. Die Ausgaben = die Spenden:
–> Das macht 1,9 Mio. Euro Spenden an CSU und FDP. 2. Die Einnahmen = die Steuergeschenke:
–> Die Familie von Finck macht 2010 einen zusätzlichen Gewinn von EUR 1,1 Mio. 3. Kumulierte Gewinne
–> Bei Investitionen von EUR 1,9 Mio. (=die Spenden) entspricht das ein Zins von 12%. –> EUR 4,2 Mio sind 0,05% des Vermögens von August von Finck. Selbst wenn die FDP und CSU käuflich waren, Verstehe ich die SPD richtig? Sie beschuldigt die Familie von Finck, die FDP und CSU gekauft zu haben, um Ihr Vermögen um 0,7 Promille wachsen zu lassen und eine jährliche Rendite von 12% zu erzeugen. OK, die Opposition ist Oppoisiton… Ich absolut kein Fan des Wachstumbeschleunigungsgesetzes wie die meisten JuLis! Dass die Medien aber völlig unkommentiert die Behauptungen der SPD übernehmen und weiterspinnen, bereitet mir Sorgen! Eine Scheindebatte über Spenden lenkt von den wahren Problemen ab (Schulden für die nächste Generation). Wenn man bei diesem Thema Kritik am Kapitalismus in Deutschland üben will, dann hat es nichts mit Spenden, Großkapitlisten oder Hotels zu tun, sondern dass Medien wie der Spiegel und die Sueddeutsche (beides von mir regelmäßig gelesen) für eine bessere Auflage grundlos mit dem Vertrauen der Bürger in die Demokratie spielen! Ich erinnere daran: 90% halten nun die FDP für käuflich…
Die Bundesrepublik Deutschland rühmt sich, einen eigenen ökonomischen Weg gefunden zu haben: Die sogenannte Soziale Marktwirtschaft. Es gibt sogar eine Initiative mit dem Adjektiv „neu“ davor, die die Akzeptanz für die Reformen an der mittlerweile etwas eingerosteten Sozialen Marktwirtschaft steigern soll. Nichtsdestotrotz ist weiterhin die zentrale Idee der Sozialen Marktwirtschaft den freien wirtschaftlichen Wettbewerb mit einem sozialen Ausgleich in Einklang zu bringen. Bisher funktionierte das auch ganz gut.
In den letzten Jahren richtete sich das Augenmerk aber vor allem mehr auf die Marktwirtschaft als auf das Soziale. Aktuellstes Beispiel ist das weltweit größte Drogeriemarktunternehmen. Die alteingesessenen Filialen werden geschlossen und oft unweit von der alten Filiale wird eine neue und vor allem größere Filiale mit dem Zusatz XL eröffnet. Rein rechtlich gesehen handelt es sich hierbei um eine Tochterfirma und somit müssen die alten Arbeitnehmer nicht übernommen werden. Juristisch ist bisher alles soweit in Ordnung. Nur ist gültiges Recht auch richtig?
Alte Mitarbeiter werden gefeuert, neue über eine Zeitarbeitsfirma für die Hälfte des Lohnes und ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld angestellt. Recherchen von anerkannten Journalisten haben ergeben, dass die personellen Verflechtungen der Zeitarbeitsfirma und der Drogeriemarktkette in der Führungsetage immens sind. Ganz offensichtlich wird hier auf dem Rücken der (alten) Mitarbeiter versucht, massiv Kosten zu drücken ohne Rücksicht auf Verluste. Formal mag das alles rechtens sein, aber was ist mit der moralischen und sozialen Komponente? Sozial war wohl gestern und die soziale Verantwortung von Großunternehmen ist irgendwo auf dem Globalisierungstrip auf der Strecke geblieben…
Vielleicht sollte der Staat hier Möglichkeiten finden und Regelungen treffen, die solch betriebswirtschaftlich rationalem aber sozial und volkswirtschaftlich höchst fragwürdigem Verhalten einen Riegel vorschieben. Aber das soll Thema eines anderen Blogeintrages werden.
Ich lese seit neustem immer wieder Berichte von seriöser Forschung und seriösen Forschern, die der gängen Klimatheorien kritisch gegenüberstehen. In einem aktuellen Fall findet die Forschung direkt am Cern und somit an einer international bedeutensten Forschungseinrichtung. Ohne als Klimaskeptiker zu gelten, will ich ein Zitat aus diesem Artikel unterstreichen: “Es wird deutlich, dass wir grundsätzliche Zusammenhänge nicht verstehen.” Dass wir die Zusammenhänge nicht verstehen, darauf weiße ich gerne hin. In den Medien wird nämlich so getan als wüssten die Forscher genau, was genau zu tun ist, um zum Beispiel das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Dem ist aber nicht so. Dies liegt jedoch in der Natur der Sache. Zum einen beschäftigt sich Forschung immer mit dem Unbekannten und Überraschungen sind daher stets zu erwarten. Zum anderen das System Klima hochgradig komplex, chaotisch und nichtlinear. Dass man dennoch auf die Klimaforscher hören sollte, macht ein Kommentar zur Forschung deutlich, der Nichtforschern klar macht, wie Forschung tickt: “Die Modelle [Anmerkung: Klimamodelle] sind lückenhaft - einige Mechanismen, wie zum Beispiel der Effekt von Wolkenbildung ist im wesentlichen „noch nicht verstanden“, wie das in Forscherkreisen immer so schön heißt. Das bedeutet aber nicht, dass die Zahlen aus diesem Modell wertlos sind. Die Modelle sind so lange gültig, bis die Wissenschaft bessere Modelle entwickelt hat.“ Damit verlieren die alten Modelle nicht ihre Gültigkeit. Neue basieren meist auf den Erkenntnissen der alten. Dafür gibt es ein bekanntes Bild: “Standing on giants shoulders!” Es gibt Unsicherheiten in der Forschungen. Diese werden kaum kommuniziert. Vielmehr wird der aktuelle Wissensstand als absolute Wahrheit geprisen. In meinen Augen ist das gefährlich. Sollte diese “absolute Wahrheit” nicht so sein, der derzeitige Wissenstands stark ändern, dann wird die Akzeptanz der Wissenschaft in der Gesellschaft wieder erheblich sinken. Allen voran verkauft die Politik den aktuellen Wissensstand als eben jene absolute Wahrheit, um öffentliche Debatten zu unterdrücken und die Klimamassnahmen durchzusetzen. Aufgabe der Politik ist es zu vereinfachen. Die Akzeptanz der Wissenschaft droht darunter zu leiden. (Abschließend noch eine Randbemerkung: Ich halte die Anstrengungen für eine CO2-Reduzierung für extrem sinnvoll, vor allem die Abkehr vom Rohstoff Öl. Es ist einfach zu wertvoll, um es zuverheizen. Auch von CO2-Speichertechnologien halte ich wenig. Die Anstrengungen in nachhaltigen Technologien sind einfach zukunftssichere Investitionen.) Nachtrag:
Vor kurzem wurde hier die Frage aufgeworfen, was und wer denn „Elite“ bitte schön ist. Kurz vor Weihnachten erreichte die Welt dann eine ganz neue wissenschaftliche Erkenntnis. Die unabhängige Denkfabrik New Economics Foundation will herausgefunden haben, dass der gesellschaftliche Wert von Berufen wie Müllmann/frau, Kinderbetreuer/in oder Reinigungskraft um einiges höher ist als der von so „angesehenen“ Berufen wie Manager, Banker oder Werbefachmann/frau.
Dabei wurde die Methode “Social Return on Investment” angewandt, die das Einkommen mit den erbrachten sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Leistungen vergleicht. Ergebnis: Ein gesamtgesellschaftliches bzw. volkswirtschaftliches Preis-Leistungsverhältnis. Hierbei schnitten Berufe, die tendenziell der FDP nahe stehen, erschreckend schlecht ab.
Begründen nicht gerade die Liberalen hohe Manager- oder Bankergehälter mit dem freien Markt, der eben diese Gehälter hervorbringt? Und sind diese Gehälter nicht eben dadurch gerechtfertigt, dass diese bestimmte Berufgruppe mehr geleistet hat. Dieses „Mehr“ an Leistung kommt schließlich der Gesellschaft durch höhere Steuereinnahmen und einer produktiveren und konkurrenzfähigeren Wirtschaft und somit dem Erhalt von Arbeitsplätzen zugute. Soll dies alles eine Mär sein?
Es sieht ganz danach aus! Gesamtgesellschaftlich betrachtet zerstört der Banker mit jedem selbst verdienten Euro sieben Euro für die Gesellschaft, der/die Werbefachmann/frau zwölf Euro und der oder die Steuerberater/in gar 50!!! Euro. Demgegenüber generieren Müllmänner/frauen mit jedem verdienten Euro einen gesellschaftlichen Mehrwert von 14 Euro, Kinderbetreuer und Reinigungskräfte zehn Euro.
Wenn die Untersuchung der New Economics Foundation Recht behält, dann bilden ganz andere Berufsgruppen als bisher angenommen die wahre Elite unseres Landes…
Die Studentenproteste sind in vollem Gange und werden kräftig durch alle Medien verstärkt. Im Radio, Fernsehen, in den Zeitungen und dem Internet ist von protestierenden und streikenden Studierenden die Rede. Da stellen sich bei mir jedes Mal die Nackenhaare auf, denn streikende Studierende brechen den Streik! Ein Student bzw. eine Studentin ist jemand, der ein Studium begonnen und noch keinen Abschluss oder sich exmatrikuliert hat. Ein Studierender oder eine Studierende ist jemand, der gerade, im Augenblick, jetzt, momentan studiert. Also jemand der ein Buch liest, eine Arbeit schreibt, im Labor steht oder eine Vorlesung besucht. Sobald der bzw. die Studierende damit aufhört, hört er auf ein Studierender zu sein, aber er bleibt ein Student bzw. sie eine Studentin. Ein Studierender kann nicht streiken, denn er bricht seinen eigenen Streik, indem er weiter studiert, um Studierender zu bleiben. Der streikende Studeriende ist ein Babier-Paradoxon. Der Sprachgebrauch von Studierende soll Geschlechtsneutralität suggerieren, aber auch das ist falsch, da es den Studierenden und die Studierende gibt. Für mehr Logik im Alltag und der Sprache! Gegen eine Vergewaltigung der Sprache für eine Pseudo-Geschlechtergerechtigkeit.
…, die mit Überzeugungen, Werten und Ansichten zu tun haben.
Nun möchten doch gerade die Liberalen den Menschen ermöglichen, ein mündiges, aufgeklärtes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Und das ist absolut richtig. Dies setzt aber auch voraus, dass jeder dieser Menschen Zugang zu Bildung hat und somit die oben genannten Lebensentwürfe erreichen kann. Bildung ist geradezu eine essentielle Voraussetzung des Liberalismuses!
Es ist also im Interesse der liberalen Werte, sich für bessere und allen Menschen zugängliche Bildung einzusetzen – dies schließt auch Hochschulbildung mit ein. Dass die derzeitigen Verhältnisse an den Schulen und Universitäten untragbar sind, ist unbestreitbar. Ebenso rangiert die Bundesrepublik Deutschland nach einer Studie der OECD auf einem der hintersten Plätze bezogen auf die Ausgaben für Bildung am Anteil des Bruttoinlandsproduktes.
Wieso überlassen wir Liberale den Linken die Wortführerschaft? Wo sind die Fahnen der Liberalen Hochschulgruppen oder der Jungen Liberalen? Nur nörgeln bringt uns auch nicht ans Ziel. Nur durch Engagement können wir die durchaus berechtigten Forderungen in einer für uns adäquaten Art und Weise umsetzen – dies setzt aber eben Engagement voraus.
Also liebe Liberale. Nicht nörgeln – engagieren!
Einige Liberale und viele Konservative kritisieren den aktuellen Bildungsstreik als falsch und ewig gestrig. Ich möchte an Hand des Denkmodells des Homo oeconomicus aufzeigen, wieso dieser „Streik“ absolut richtig und geradezu unvermeidbar ist.
Eine der Granden der Neuen Politischen Ökonomie, Mancur Olson, zeigt in seinem richtungweisenden Werk „Die Logik des kollektiven Handelns“ auf, dass manche Interessen nicht konfliktfähig sind und daher „schweigend“ leiden müssen. Beispiele hierfür sind die Interessen der Steuerzahler, Verbraucher oder auch Schüler und Studenten. Theoretisch bilden sie das Gros der Gesellschaft und müssten über eine sagenhafte Lobby verfügen. In der Realität verfügen aber kleine und homogene Interessen, wie die der Piloten oder Lokführer, über eine weitaus bessere Lobby.
Leider wurden die Nöte, Sorgen und Kritik der Studenten und Schüler von der Politik nicht allzu ernst genommen. Ja, wir können streiken und das schadet am meisten uns selbst. Vielleicht wird an einem Tag eine Stadt blockiert oder der Lärm ärgert Anwohner, doch welchen konkreten „Schaden“ richten wir für die Volkswirtschaft und die Politik an? Keinen allzu großen. Da sind ein paar Lokführer viel effektiver…
Deshalb ist es nur ein erster Schritt, dass sich die Studenten und Schüler bundesweit vernetzt haben und koordiniert auf die Missstände aufmerksam machen. Dies erzeugt Druck und fordert die Politik zum Handeln auf. Man kann jetzt gegen Hörsaalbesetzungen sein, Gewalt ist sowieso tabu. Allerdings führen die Hörsaalbesetzungen doch gerade dazu, dass uns zugehört wird, dass endlich ein Dialog statt findet und dass unsere Interessen und Forderungen nach besserer Bildung aufgenommen werden.
Der „Streik“ ist gerade nach dem Modell der Homo oeconomicus der richtige Weg sich Gehör zu verschaffen und die Interessen der Schüler und Studenten zu wahren. Natürlich gibt es auch noch andere Gründe…
Schon einmal etwas von diesem begrifflichen Ungetüm “halbdirekte Konkordanzdemokratie” gehört? Nein! Aber die Schweiz kennt ihr und die Schweiz hat eine “halbdirekte Konkordanzdemokratie” als Regierungsform. Da das schweizer Volk mit Volksentscheiden deutlich direkteren Einfluss als in unserer parlamentarischen Demokratie hat, aber eben nicht den vollen, spricht man von der einer halbdirekten Demokratie. Kern der Konkordanzdemokratie ist, dass man versucht so viele Interessensgruppen wie möglich am Entscheidungsprozess zu beteiligen und einen Konsens zu finden. Zwar hört man bei uns auch auf verschiedenste Verbände und Interessensvertretungen, aber der politische Gegner bleibt meist außen vor. Wir haben nämlich im Gegensatz dazu eine Konkurrenzdemokratie. Damit haben die Schweizer was die Entscheidungen angeht einen deutlich weniger aggressiveren Demokratie. Das darf man anbetracht der Berichte über schwarze Schafe, die von der Schweizer Nationalflagge gestoßen werden, aus der auch einmal Minaretten schießen, nicht vergessen. Bei uns bestimmt immer die Mehrheit über die Minderheit. Auch wenn die Opposition 49% der Stimmen erreicht hat, kann sie als Opposition nicht mitentscheiden und fast nur kontrollieren. Zwar lösen sich langsam die ersten Probleme unseres 5-Parteiensystems auf. Vielleicht droht uns mit der Piratenpartei in 4 Jahren bereits ein Sechsparteiensystem? Wäre es so oder so nicht schöner, wenn alle Wählerstimmen mitbestimmen könnten? Wäre dies in einer immer pluralistischer werdenden Gesellschaft nicht ein gerechteres und demokratischeres Gesellschaftsmodell? Ich glaube, die “halbdirekte Konkordanzdemokratie” kann ein zukünftiges Modell für Deutschland sein. Ich will nicht für die Einführung einszueins des schweizer System in Deutschland werben, aber wir können uns bei dem grundlegendem Verständnis von Demokratie bei unserem kleineren Nachbarn im Süden abschauen. Weniger Konfrontation, mehr Konsens, mehr Beteiligung, mehr direkte Entscheidung! |
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