Steuerpolitik begeistert junge Wähler nicht!
geschrieben von Florian (29. Juni 2009)

Im Zusammenhang mit der Zensursula-Debatte ist immer wieder von der Piratenpartei Deutschland zu hören. Zuspruch erhält diese vor allem von Internetnutzern. Hervorzuheben ist vor allem eine große Anzahl von jungen, gebildeten und bisher völlig unpolitischen Bürgern, die sich in diesem Zuge den Piraten anschließen.
Genauer betrachtet, wildert die Piratenpartei mit ihrer eng begrenzten Programmatik (http://www.piratenpartei.de/navigation/politik/unsere-ziele) geradezu in der Zielgruppe der FDP. Wer die Piraten unterstützt kann aber nicht gegen umfassende Bürgerrechte sein. Eine Erkenntnis daraus -> Wähler der Piratenpartei sind liberal!
Dass gerade die FDP für Bürgerrechte steht, scheint in der Öffentlichkeit dabei aber oft nicht anzukommen. Die “Reichenpartei” ist und bleibt immernoch das Stigma der FDP - Das Programm bleibt leider oft genug unbeachtet. Immer wieder wird die FDP in die “neoliberale” Ecke gestellt und mit dem Stichwort “soziale Kälte” gebrandmarkt. Hier gilt es sich zu wehren.
Ein gutes Programm ist das eine, aber die Öffentlichkeitsarbeit eine andere.
Einbinden neuer Medien - super. Aber das reicht nicht um junge, internetaffine Wählerpotenziale für sich zu gewinnen. Wenn es in den Medien um die FDP geht, bleiben Steuern das alles überragende Thema. Leider scheint mir das nicht nur von außen so verengt dargestellt, sondern ist ein innerer Reflex - alá hier kennt man sich aus und kann sich gegenüber den anderen hervorheben. Mit Steuerpolitik lassen sich junge Bürger aber nicht recht begeistern, deshalb sollten Bürgerrechte und Familienpolitik ins Zentrum unserers Wahlkampfes gestellt werden. Es gibt auch einen zweiten Grund dies zu tun, als klare Abgrenzung zur CDU - die möchte bekanntlich ja auch nicht auf das Steuerthema verzichten.


Kommentare:
10 Kommentare zu "Steuerpolitik begeistert junge Wähler nicht!"
Christian am 29. Juni 2009 um 04:33

Ok, Wählerpotential erkannt! Stellt sich ur die Frage: Wie bringt man ihnen das ganze liberale Porfolio von Bürgerrechten im Internet bis zur Steuerreform nahe?


Florian am 29. Juni 2009 um 08:56

Da habe ich natürlich auch kein Patentrezept, aber eine Einbindung bloggender FDPler in Öffentlichkeitsarbeit wäre schon mal ein Anfang.


SonicBlade am 29. Juni 2009 um 01:51

Das “liberale Portfolio von Bürgerrechten” ist leider bescheiden, sobald Regierungsverantwortung übernommen wird. Derzeit ist das eindruckvoll zu verfolgen beim Durchwinken des Zugangserschwerungsgesetzes im Bundesrat oder auch anhand der Vorgänge in Hessen http://www.daten-speicherung.de/index.php/fdp-will-hessische-polizei-aufruesten/


Francis Drake am 29. Juni 2009 um 01:52

Sehr gut geschrieben, Respekt.

Solange in der FDP allerdings Dinge wie dies hier http://www.daten-speicherung.de/index.php/fdp-will-hessische-polizei-aufruesten/ geschehen seht Ihr ziemlich alt aus…

Aber ansonsten: Einfach anheuern. Ahoi!


Jan Dörrenhaus am 29. Juni 2009 um 02:07

Als Ex-JuLi und Mittlerweile-Pirat sage ich folgendes:

Die FDP hat im Bereich Bürgerrechte gnadenlos versagt. Wann immer sie mit Füßen getreten wurde stand die FDP daneben, und sagte, dass sie das “nicht okay findet, echt jetzt!”

Die Amerikaner haben ein Sprichwort: “Talk is cheap”, zu deutsch: “Worte sind billig”, im Sinne, dass man seinen Worten Taten folgen lassen soll. Die Reaktionen der FDP blieben nämlich aus. Wenn wir das Internetsperrengesetz mal als Beispiel nehmen, haben sowohl FDP als auch JuLis klar gemacht, dass sie dagegen sind. Als es dennoch beschlossen wurde, gingen beide zur Tagesordnung über.

Warum brauchte es eine Piratenpartei, um zu Demonstrationen aufzurufen?

DAS ist der Grund, warum die Piratenpartei in den Gewässern der JuLis und der FDP so erfolgreich ist. Selbige haben diese nicht ausreichend befischt.

Insofern gebe ich euch einen - als Pirat - selbstlosen Tipp: Wenn ihr mit der CDU eine Regierungskoalition eingeht, dann dürft ihr solche Themen nicht durchgehen lassen. GAR NICHT. Ohne wenn und aber muss es da “Nein” heissen. Die Piratenpartei würde sofort auf ihren Status als Micropartei zurück reduziert, würden die etablierten Parteien aufhören, die Bürgerrechte besonders im Internet mit Füßen zu treten.

Gruß,
Jan Dörrenhaus


Jan Dörrenhaus am 29. Juni 2009 um 02:08

Minikorrektur: Mit “sie” meine ich im zweiten Absatz die Bürgerrechte, nicht die FDP. Sorry, es ist schon spät ;)

Gruß,
Jan Dörrenhaus


Steve am 29. Juni 2009 um 03:54

Christian:
Daneben. Genau dieses Vorgehen hat doch die Leute erst bewegt, selbst eine Partei zu gründen.

Auf der einen Seite dieses selbstgefällige “wie ködere ich denn diese Wählergruppe” der bestehenden Parteien, die auf der anderen Seite überhaupt kein Interesse haben, diese Menschen nicht ernst nehmen.
(Bestes Beispiel: SPD streicht Antrag, weil “medial unerwünscht”)

Seitdem machen die Leute eben ihre eigene Politik. Für sich. Weil keine “etablierte” Partei Lust hatte sie zu vertreten.


Steve am 29. Juni 2009 um 03:56

Korrektur:

Christian:
Daneben. Genau dieses Vorgehen hat doch die Leute erst bewegt, selbst eine Partei zu gründen.

Auf der einen Seite dieses selbstgefällige “wie ködere ich denn diese Wählergruppe” der bestehenden Parteien, die auf der anderen Seite überhaupt kein Interesse haben, diese Menschen mit ihren Anliegen überhaupt ernst zu nehmen.
(Bestes Beispiel: SPD streicht Antrag, weil “medial unerwünscht”)

Seitdem machen die Leute eben ihre eigene Politik. Für sich. Weil keine “etablierte” Partei Lust hatte sie zu vertreten.

Der FDP wünsche ich es allerdings trotzdem, dass sie es endlich aus der rechten Ecke schafft!


Anon am 29. Juni 2009 um 23:19

Wie wird die FDP es mit den Internetsperren, Vorratdatenspeicherung, Bundestrojaner usw. halten wenn die FDP mit großer wahrscheinlichkeit mit der CDU eine Koalition bildet?
Und wie verhält es sich mit Paintball und Ego-Shooter?
Bei der FDP habe ich einfach das Gefühl das diese Themen zur gunsten der Koalition untergehn werden.
Ganz davon abgesehn will ich mich einfach nicht mehr Kriminalisiern lassen.

Zeit zum Ändern!


Marc am 29. Juni 2009 um 04:38

Verdammte Axt Florian …

Druck dir den Artikel mit den Kommentaren aus und pflaster damit eure Parteizentrale zu. Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich habe mein ganzes Leben FDP gewählt und ich stehe hinter eurem Wahlprogramm. Dieses Jahr werde ich wahrscheinlich die Stimme an eure liberale Konkurrenz mit der schönen Fahne geben. Nicht weil ich glaube das die ins Parlament einziehen, sondern weil ich denke, dass das die einzige Möglichkeit ist um eure Parteiführung (und auch die von den Grünen) wachzurütteln.
Die Bürgerrechte im digitalen Zeitalter müssen Kernthema werden. Ihr werdet sonst eine ganze Generation verlieren. Das selbe ist CDU / SPD vor Jahren in anderem Kontext mit den Grünen passiert. Es wäre schade wenn ihr es nicht schafft rechtzeitig auf diese Entwicklung zu reagieren. Das sind nicht nur eure Wähler die da weggehen! Ihr verliert auch die Aktivisten und die Deutungshoheit im Netz.


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