Einige Liberale und viele Konservative kritisieren den aktuellen Bildungsstreik als falsch und ewig gestrig. Ich möchte an Hand des Denkmodells des Homo oeconomicus aufzeigen, wieso dieser „Streik“ absolut richtig und geradezu unvermeidbar ist.
Eine der Granden der Neuen Politischen Ökonomie, Mancur Olson, zeigt in seinem richtungweisenden Werk „Die Logik des kollektiven Handelns“ auf, dass manche Interessen nicht konfliktfähig sind und daher „schweigend“ leiden müssen. Beispiele hierfür sind die Interessen der Steuerzahler, Verbraucher oder auch Schüler und Studenten. Theoretisch bilden sie das Gros der Gesellschaft und müssten über eine sagenhafte Lobby verfügen. In der Realität verfügen aber kleine und homogene Interessen, wie die der Piloten oder Lokführer, über eine weitaus bessere Lobby.
Leider wurden die Nöte, Sorgen und Kritik der Studenten und Schüler von der Politik nicht allzu ernst genommen. Ja, wir können streiken und das schadet am meisten uns selbst. Vielleicht wird an einem Tag eine Stadt blockiert oder der Lärm ärgert Anwohner, doch welchen konkreten „Schaden“ richten wir für die Volkswirtschaft und die Politik an? Keinen allzu großen. Da sind ein paar Lokführer viel effektiver…
Deshalb ist es nur ein erster Schritt, dass sich die Studenten und Schüler bundesweit vernetzt haben und koordiniert auf die Missstände aufmerksam machen. Dies erzeugt Druck und fordert die Politik zum Handeln auf. Man kann jetzt gegen Hörsaalbesetzungen sein, Gewalt ist sowieso tabu. Allerdings führen die Hörsaalbesetzungen doch gerade dazu, dass uns zugehört wird, dass endlich ein Dialog statt findet und dass unsere Interessen und Forderungen nach besserer Bildung aufgenommen werden.
Der „Streik“ ist gerade nach dem Modell der Homo oeconomicus der richtige Weg sich Gehör zu verschaffen und die Interessen der Schüler und Studenten zu wahren. Natürlich gibt es auch noch andere Gründe…
Kommentare:
1 Kommentar zu "Bildungsstreik und der Homo oeconomicus"
Christian am 27. November 2009 um 20:28
Ein einfacher Verweis auf Adam Smith würde auch reichen. Ich habe leider auf die Schnelle kein passendes Zitat gefunden, aber selbst Wikipedia hat in seinem Artikel zu Adam Smith folgendes erwähnt:
“Die allgemeine Bildung durch den Staat zu sichern, war für Smith ein sehr wichtiges Thema, da er sehr wohl die Gefahren der von ihm propagierten Arbeitsteilung sah. Damit ist die Verdummung von Arbeitern gemeint, die nur wenige Handgriffe ausführen. Der Staat soll dem „einfachen Volk“ Schulausbildung zugänglich machen und es sogar, nach seinen Worten, dazu zwingen. Durch diese gebotene Bildung werde dem einfachen Mann ein Aufstieg aus seiner durch Geburt vorgegebenen Situation ermöglicht, welchen er durch eigenen Fleiß erreichen könne.”