Rechnen macht wissend
geschrieben von Chris (19. Januar 2010)

Die Story passt perfekt: Der Milliarden schwere Sugardaddy von Finck holt sich für knapp 2 Mio. Euro die Parteien FDP und CSU ins Bett und sichert so rund eine Milliarden Euro für das Hotelgewerbe. Der Spiegel enthüllt den Skandal der käuflichen Politik!

Dort die kapitalistische Klientelpartei, auf der anderen der in der Schweiz lebende, adlige Großkapitalist. Die Sachelage ist eindeutig! Eine Milliarde sind das 500-fache von 2 Mio und ein Graoßkapitalist wird seinen Reibach machen. 90% der Bevölkerung (nicht repräsentativ) halten bereits die FDP für käuflich.

Das Bild ist perfekt! Nur eine Kleinigkeit machte mich stutzig. Zur Mövenpick Gruppe gehören in Deutschland 14 Hotels. Ich fragte mich, wieviel mögen denn diese 14 Hotels an abgeführter Mehrwertsteuer sparen? Um Meldungen einzuschätzen, hilft es sich immer die Sachlage anzuschauen. Lasst uns gemeinsam dies abschätzen:

1. Die Ausgaben = die Spenden:

  • August von Finck hat 2008 und 2009 genau 1,1 Mio Euro der FDP gespendet.
  • Seine Familie hat 2008 rund 0,8 Mio. Euro der CSU gespendet

–> Das macht 1,9 Mio. Euro Spenden an CSU und FDP.

2. Die Einnahmen = die Steuergeschenke:

  • Dem Sohn Luitpold-Ferdinand von Finck gehört zu 100% die Mövenpick AG.
  • Der Mövenpick AG gehört zu 67% die Mövenpick Hotels & Resorts Management AG.
    –> 67 % der ausgeschütteten Gewinn stehen der Familie von Finck zu.
  • 881 Mio. Schweizer Franken (CHF) machte 2008 diese Hotelsparte.
  • 2009 wurde wahrscheinlich ein vergleichbarer Umsatz erzielt. (Annahme)
  • Der aktuelle Wechselkurs: 1 CHF = 0,68 EUR.
    –> CHF 881 Mio. = EUR 599 Mio.
  • Die Hotelsparte besitzte 67 Hotels (Stand 2008), 14 davon in Deutschland.
  • Nimmt man an, dass alle 67 Hotels gleichermaßen zu den EUR 599 Mio. Umsatz beitragen, tragen die deutschen Hotels zu einem Anteil von 14/67 bei.
    –> EUR 117 Mio. Umsatz in Deutschland
  • Frühstück, Speisen, Telefonkosten und Garagenmiete sind nicht vom reduzierten Mehrwertsteuersatz betroffen. Ich nehme an 70% des Umsatzes werden wirklich mit den Hotelzimmern gemacht.
    –> EUR 82 Mio. Umsatz ist von der Reduzierung der Mehrwertsteuer betroffen.
  • Der Mehrsteuersatz wurde von 19% um 12%-Punkte auf 7% reduziert. 12% von 94 Mio. sind das Ersparnis für die Hotelkette.
    –> EUR 9,8 Mio. Ersparnis
  • Keiner weiß, wie die 9,8 Mio. Euro eingesetzt werden. Ich nehme an, dass die Preise nicht gesenkt, 2/3 direkt investiert und 1/3 als Gewinn ausgewiesen werden.
    –> EUR 3,3 Mio. aus den Steuerersparnissen gehen als Gewinn in die Bilanz ein.
  • Üblicherweise werden in Europa 50% der Gewinne an die Eigentümer ausgeschüttet.
    –> EUR 1,7 Mio. werden zusätzlich an die Eigentümer ausgeschüttet.
  • Von den 1,7 Mio. Euro stehen der Familie von Finck 66,7% zu (s.o.).
    –> August von Fincks Sohn profitiert mit EUR 1,1 Mio. von dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz.

–> Die Familie von Finck macht 2010 einen zusätzlichen Gewinn von EUR 1,1 Mio.

3. Kumulierte Gewinne

  • Die Kosten steigen mit der Zeit und schmelzen die Effekte der Steuersenkung mit der Zeit weg. Höhere Gewinnmöglichkeiten erhöht den Wettbewerb.
    –> Ich nehme an, dass der zusätzliche Gewinn linear innerhalb von 10 Jahren auf Null sinkt.
  • Familie von Finck macht 2010 einen zusätzlichen Gewinn von EUR 1,1 Mio.
    –> Die Familie hat innerhalb der nächsten 10 Jahre einen Vorteil von EUR 6,1 Mio.
  • Bei Investitionen (=Spenden) von EUR 1,9 Mio. bleibt ein Gewinn von EUR 4,2 Mio.
  • August von Finck besitzt EUR 8,4 Mill.

–> Bei Investitionen von EUR 1,9 Mio. (=die Spenden) entspricht das ein Zins von 12%.

–> EUR 4,2 Mio sind 0,05% des Vermögens von August von Finck.

Selbst wenn die FDP und CSU käuflich waren,
hat es sich für die Familie von Finck kaum gelohnt!!!!

Verstehe ich die SPD richtig? Sie beschuldigt die Familie von Finck, die FDP und CSU gekauft zu haben, um Ihr Vermögen um 0,7 Promille wachsen zu lassen und eine jährliche Rendite von 12% zu erzeugen. OK, die Opposition ist Oppoisiton…

Ich absolut kein Fan des Wachstumbeschleunigungsgesetzes wie die meisten JuLis! Dass die Medien aber völlig unkommentiert die Behauptungen der SPD übernehmen und weiterspinnen, bereitet mir Sorgen! Eine Scheindebatte über Spenden lenkt von den wahren Problemen ab (Schulden für die nächste Generation).

Wenn man bei diesem Thema Kritik am Kapitalismus in Deutschland üben will, dann hat es nichts mit Spenden, Großkapitlisten oder Hotels zu tun, sondern dass Medien wie der Spiegel und die Sueddeutsche (beides von mir regelmäßig gelesen) für eine bessere Auflage grundlos mit dem Vertrauen der Bürger in die Demokratie spielen! Ich erinnere daran: 90% halten nun die FDP für käuflich…


Kommentare:
4 Kommentare zu "Rechnen macht wissend"
Sven Gerst am 19. Januar 2010 um 01:13

sehr richtig analysiert.

zudem wurde der antrag zur reduzierung der mehrwertsteuer für das hotelgewerbe vom bundesparteitag im jahr 2007 beschlossen.
die spende hingegen kam im jahr 2009.

das bild, das die presse momentan versucht zu zeichnen unterstützt nur die these des ehemaligen spiegel-chefs stefan aust, der meinte, dass journalisten einfach nur verbitterte sozialdemokraten seien.


Chris am 19. Januar 2010 um 01:20

Nachtrag:
Endlich ein differnzierter Bericht:
http://www.sueddeutsche.de/politik/262/500527/text/
Ich muss wohl zumindest meine Kritik an der SZ zurücknehmen…


Lohmydd am 19. Januar 2010 um 01:56

Danke für diese Berechnung. Die Diskussion läuft sowieso ins Leere, weil auch die allgemein kolportierten Kosten der Steuersenkung nicht stimmen: Man hat einfach den bislang erzielten Mehrwertsteuerbetrag um 12% gekürzt und ist so auf ca. 860 Mio. bis 1. Milliarde gekommen. In Deutschland sind aber gut 75% aller Übernachtungen gewerblich, d.h. das was der Hotelier weniger an Umsatzsteuer zahlt, kann der Hotelkunde weniger an Vorsteuer ziehen - also fiskalisch nahezu ein Nullsummenspiel. Der verbleibende Gewinn muss dann noch vom Hotelier mit bis zu 47% bei der Einkommensteuererklärung abgeführt werden. Etwas mehr Ehrlichkeit täte der Diskussion durchaus gut.


[...] Bereits gestern habe ich den Nutzen der Mehrwertsteuersenkung für die Familie Finck abgeschätzt. Er liegt bei etwa 0,05% des Familienvermögens und ist in der Größenordnung der Spenden. [...]


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